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Das Leben in Jeanette, einem Fischerdorf im Bundesstaat Louisiana, ist kein Waldspaziergang. Wirtschaftlich und ökonomisch ist die Region, deren Bewohner einst gut vom Shrimps-fischen lebten, nach  Hurrikan Katrina und der, durch den Brand der Bohrinsel Deepwater Horizons verursachten Ölpest, am Boden. Den Charakteren in Tom Coopers Debütroman bleibt nichts weiter übrig als kreativ zu werden um weiter für ihr Auskommen zu sorgen. Und kreativ werden sie, wenn auch einige mit mehr kriminellem Talent als andere.
Da wäre zum einen Gus Lindquist, ein einarmiger, ständig Pillen schluckender Fischer, dem in einem der ersten Kapitel des Buches seine teure Armprothese abhanden kommt und der besessen ist vom Gedanken das verlorene Gold des legendären Piraten Jean Lafitte zu finden.
Da wären Reginald und Victor Toup, zwei zwielichtige Brüder die eine Marihuana-Plantage betreiben, deren Ertrag ohne weiteres den gesamten Bundesstaat Louisiana für mehrere Wochen in Rausch versetzen könnte. Und dann gibt es da noch Cosgrove und Hanson, ein weiteres geschäftstüchtiges Duo im kriminellen Sektor, sowie Grimes, eine traurige Gestalt und Angestellter der Ölfirma, der in seinem ehemaligen Heimatdorf mit schlechten Deals als Kompensation für die Ölpest hausieren geht, um weitere Klagen abzuwenden.
All diese Figuren teilen das Buch episodisch unter sich auf und mehr und mehr wird dem Leser klar, dass diese einzelnen Stränge kollidieren werden. Und dass das nicht schön werden wird.

Schlagendes Herz des Romans ist allerdings die titelgebende Figur: Wes Trench. Gerade siebzehn und mit dem Wunsch sich unabhängig zu machen von seinem Vater, mit dem er Clinch liegt seit seine Mutter durch den Hurrikan ums Leben kam, ist er getrieben vom Wunsch nach seinem ersten eigenen Boot. Nach einem Streit mit seinem Vater heuert er bei Lindquist an, und wird so mit hineingezogen und die wüsten Verstrickungen in die einzelnen Plotstränge treiben.
Wes ist der Lichtblick in diesem oft tiefschwarzen Sumpf aus Verbrechen, Gewalt, Missgunst und Abhängigkeit. Durch diese verletzte, verletzliche und doch auch hoffnungsvolle Figur hat Tom Cooper klug ein Gleichgewicht hergestellt.

Manches in diesem Roman liest sich wie eine Hommage an die Gattung des Hardboiled Krimis. Vieles ist tragikomisch, auch wenn einem das Lachen mitunter im Halse stecken bleibt.

Ein sehr lesenswerter Roman der, trotz seiner ausgesprochen neutralen Erzählhaltung auch ein zutiefst empathischer ist.

mit Dank an den Ullstein Verlag und NetGalley DE für das Leseexemplar

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